Auf den ersten Blick klingt das vielleicht seltsam, vielleicht sogar arrogant. Da bietet jemand Coaching an, und dann sagt er auch noch offen, dass er nicht mit jedem zusammenarbeiten will. In einer Welt, die nach «Ja, klar!» und «Alles ist möglich!» schreit, wirkt das wie ein unzeitgemässer Aussetzer. Viele Angebote vermitteln ja genau das Gefühl: Jeder ist willkommen, jede Situation kann verbessert werden. Hauptsache, der Vertrag kommt zustande.
Diese scheinbare Offenheit ist verführerisch. In der Realität führt sie aber allzu oft zu Enttäuschung, Frust und dem Gefühl, sein Geld zum Fenster hinausgeworfen zu haben.
Denn die Wahrheit ist: Nicht jede Situation lässt sich mit Coaching lösen. Und nicht jede Person ist in dem Moment bereit für die Art von Arbeit, die ich anbiete. Das offen auszusprechen, ist kein Mangel an Service. Es ist das Gegenteil: Es ist professionelle Verantwortung und Respekt vor deiner Zeit und Energie.
Stell dir Coaching nicht wie den Kauf eines neuen Werkzeugs vor. Sondern eher wie die Zusammenarbeit mit einem Trainer. Du kannst den besten Bergführer der Alpen anheuern – wenn du nicht bereit bist, die steilen Passagen anzugehen oder auf seinen Rat zu hören, bringt das gar nichts. Der Prozess lebt von gemeinsamer Bewegung.
Damit das funktioniert, braucht es ein paar grundlegende Voraussetzungen. Nicht in deinem Lebenslauf, sondern in deiner Haltung. Es braucht den echten Willen, die Verantwortung für deine Situation nicht abzugeben, sondern aktiv zu übernehmen. Es braucht die Offenheit, sich auch unbequeme Rückmeldungen anzuhören, die unter die Haut gehen können. Und vor allem braucht es den Mut, die eigenen, liebgewonnenen Muster und Geschichten mal richtig zu hinterfragen.
Ohne diese innere Bereitschaft bleibt auch das brillianteste Coaching wirkungslos. Es wird dann zu einer teuren Stunde Smalltalk.
Diese klare Abgrenzung ist kein Zeichen von Abwehr. Sie ist ein Schutzmechanismus. Und zwar für uns beide. Sie schützt dich davor, wertvolle Ressourcen – Geld, Hoffnung, Kraft – in einen Prozess zu stecken, der von vornherein zum Scheitern verurteilt ist, weil die Chemie oder die Ausgangslage einfach nicht stimmt. Und sie schützt mich davor, mich zu verbiegen. Davor, Erwartungen zu bedienen, von denen ich weiss, dass ich sie nicht gut erfüllen kann oder will.
Gerade wenn es um deine berufliche Zukunft mit all ihren Jahren an Erfahrung geht, ist diese gegenseitige Ehrlichkeit unerlässlich. Denn hier geht es nicht um einen schnellen Trick für den Lebenslauf. Es geht um tiefgreifende, bewusste Entscheidungen, die dein nächstes Kapitel prägen. Eine oberflächliche «Ja-Maschine» wäre hier fehl am Platz.
Unser erstes, unverbindliches Gespräch ist genau dafür da: um das gemeinsam auszuloten. Es ist eine gegenseitige Erkundung. Manchmal kristallisiert sich dabei ganz klar heraus: Ja, hier gibt es eine gemeinsame Basis, hier kann ich dir mit meiner Art zu arbeiten wirklich einen Schritt weiterhelfen.
Manchmal ist die Antwort: «Im Moment nicht.» Vielleicht, weil du gerade noch in einer anderen Phase steckst, vielleicht weil eine andere Form der Unterstützung sinnvoller wäre.
Und manchmal lautet die ehrliche Einschätzung auch: «Eher nicht.» Das ist keine Abwertung deiner Person. Es ist eine professionelle Diagnose, so wie ein guter Handwerker dir sagt, dass er dein Fundament nicht reparieren, sondern dass ein Statiker kommen muss.
Diese frühe, ehrliche Einschätzung kann dir Monate an Irrwegen ersparen. Sie ist oft wertvoller als ein motivierendes, aber leeres «Wir schaffen das!».
Ich verstehe ihn absolut, den Wunsch nach Entlastung. «Kannst du das nicht einfach für mich machen?» Die Bewerbungen schreiben, die Strategie festlegen, die schwierigen Entscheidungen treffen. Dieser Impuls ist menschlich und nachvollziehbar.
Aber meine Arbeit zielt bewusst in die entgegengesetzte Richtung. Ich bin nicht hier, um dir etwas abzunehmen. Ich bin hier, um dich befähigen. Mein Ziel ist nicht, dass du einen perfekten Lebenslauf von mir bekommst. Mein Ziel ist, dass du danach in der Lage bist, deine Geschichte selbst so klar und überzeugend zu erzählen, dass du keinen Coach mehr brauchst. Alles andere mag kurzfristig erleichtern, führt aber langfristig in die Abhängigkeit und ändert nichts an der Ursache. Diese Philosophie habe ich hier genauer beschrieben.
Blinde Zusagen und das Gefühl, dass «alles möglich» ist, bauen kein nachhaltiges Vertrauen auf. Das ist nur heisse Luft. Echtes Vertrauen entsteht in meinen Augen genau dann, wenn die Spielregeln und auch die Grenzen von Anfang an klar auf dem Tisch liegen. Wenn du genau weisst, wofür ich stehe und – genauso wichtig – wofür nicht. Das macht die Zusammenarbeit berechenbar, sicher und professionell.
In einem so verletzlichen und persönlichen Prozess wie der beruflichen Neuorientierung mit 45+ ist diese Sicherheit kein Luxus. Sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass du dich öffnen und wirklich arbeiten kannst.
Ein Gespräch mit mir muss nicht in einer Auftragsbestätigung enden, um erfolgreich gewesen zu sein. Manchmal ist der grösste Gewinn die gewonnene Klarheit. Der klare Gedanke: «Ah, also ist Coaching gerade nicht das, was ich brauche. Jetzt weiss ich, woran ich bin und kann mich anderweitig umschauen.» Diese Erkenntnis kann enorm entlastend sein und dich aus einer lähmenden Schwebe befreien. Auch das ist Orientierung. Auch das ist ein Schritt nach vorne.
Ich bin nicht zu jeder Zusammenarbeit bereit. Das tue ich nicht, weil ich wählerisch wäre oder mir deine Situation egal ist. Ganz im Gegenteil. Ich tue es aus einem tiefen Respekt vor dem Prozess, vor deiner Zeit und vor der Wirkung echter Veränderung.
Wenn wir zusammenarbeiten, dann soll es bewusst geschehen. Mit klaren Zielen, mit geteilter Verantwortung und mit dem gemeinsamen Willen, an die Wurzel der Dinge zu gehen. Alles andere – ein schnelles Ja, ein halbherziges Engagement, eine Zusammenarbeit auf wackeligem Grund – wäre unehrlich.
Und auf dieser Basis baue ich nicht.
Für dich nicht.
Und für mich nicht.
Wenn du herausfinden willst, ob eine Zusammenarbeit für deine Situation sinnvoll ist, beginnt das nicht mit einem Angebot,
sondern mit einer ehrlichen Standortbestimmung.
Marc von Ah ist Bewerbungs- und Karrierecoach in der Schweiz mit Fokus auf Fachkräfte ab 45.
Er begleitet Menschen, die Klarheit suchen und ihre Stellensuche bewusst und eigenverantwortlich
gestalten wollen.